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Lex Barker
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Lex Barker


Interview with director Andreas Wagner

Interview mit Andreas Wagner

Andreas Wagner am Set

Andreas Wagner bei der Arbeit an der Barker-Doku mit Karen Kondazian

Andreas Wagner ist Regisseur und Drehbuchautor der neuen Dokumentation "Lex Barker – Westernheld und Herzensbrecher" (arte, 1. Oktober 2023, 22:05 Uhr).

Lex Barker - was reizt heute einen Filmemacher an dem Thema für eine filmische Doku...

Lex Barker ist der größte Star, den Deutschland je hatte. Seine Filme und seine Rollen, sein Aussehen und sein Lifestyle erzählen uns auch heute, 50 Jahre nach seinem Tod, noch unendlich viel darüber, wer wir waren und wer wir sein wollten. Und deshalb ist vielleicht gar nicht mal "Old Shatterhand", sondern der Lex Barker aus der "Bravo", in der "Rudi Carrell-Show", beim "Goldenen Schuss" mit Vico Torriani seine größte künstlerische Leistung. Eben weil sein ganzes Leben die Menschen inspiriert, beeindruckt. Bis heute. Er hat buchstäblich den Horizont dessen erweitert, was man sein kann, will und darf. Sky is the limit, für einen Star wie ihn. Das hat er die Deutschen gelehrt. Vieles davon wurde leider wieder vergessen, wenn man sich die Gegenwart des Kinos anschaut. Lex Barker kann uns daran erinnern, dass es richtig ist zu träumen, Geschichten zu erfinden, die larger than life sind und sich nicht an der vermeintlichen Realität der Gegenwart abarbeiten. Lex Barker hat uns buchstäblich das Land hinter dem Regenbogen gezeigt. Und wie "Dorothy" im "Zauberer von Oz" ist sein deutsches Publikum nur zu gern mit ihm auf diese Reise gegangen - we're not in Kansas anymore. Für ein paar Jahre war Deutschland dank ihm ein bunterer Ort.

Was hat dich während der Arbeit an dem Projekt am meisten überrascht...

Seine Stimme! Wer Lex Barker über die Karl May Filme in Deutschland kennengelernt hat, der hört die Stimme von Gert Günther Hoffmann, der ja auch zum Beispiel Sean Connery als James Bond gesprochen hat. Ich denke, jeder Filmfan in Deutschland hat den rauen Sound sofort im Ohr. Wenn man dann aber anfängt, sich Lex Barker am Anfang seiner Karriere anzuschauen, etwa die frühen Tarzan-Filme im amerikanischen Original, dann hören wir eine Sanftheit und Jungenhaftigkeit in diesen Dialogen, die ich so nicht erwartet hatte. Diese Stimme passt irgendwie zu diesem Menschen, zu diesem Hünen, der von vielen, die ihn kannten, als ein bisschen naiv beschrieben wird und der sein Boot wohl nicht ohne Grund "Peter Pan" getauft hatte.

Andreas Wagner am Set

Andreas Wagner mit Brett Halsey

An welchem Ort wärst Du Lex Barker gerne begegnet?

Das ist eine einfache Antwort. Am Ende seiner Karriere, Anfang der Siebziger wieder in den USA. Hier versucht er nochmal durchzustarten, spielt in TV-Serien mit. Um ihn herum arbeiteten einige der größten Talente New Hollywoods, wie etwa Steven Spielberg an der Show "Night Gallery", in der auch Lex Barker einen Auftritt hat. Mit ein bisschen Glück hätte sich hier vielleicht eine neue Karriere für ihn ergeben können. In Filmen wie "French Connection" als Cop, in "Der Pate" als Anwalt der Familie, als Priester in "Der Exorzist" oder auf einem Boot in "Der weiße Hai" könnte ich ihn mir sehr gut vorstellen!

Die zur Verfügung stehenden Original-Briefe von Lex Barker waren sicherlich für einen Filmemacher eine besonders gut zu verarbeitende Vorlage...

Lex Barkers Briefe waren für unseren Film ein absoluter Glücksfall. Hier öffnet er sich gegenüber seiner Frau, seinem Sohn oder seinem Produzenten. Hier schimpft er über die Staubpisten und die Hitze in Jugoslawien, hier betrauert er den Verlust seiner vierten Frau Irene und hier schildert er sein Leben als Soldat im 2. Weltkrieg. Eben weil Lex Barker nun bereits 50 Jahre tot ist, sind auch die Erinnerungen derjenigen Menschen, die ihn kennen durften, oft schon etwas verblasst. Durch die Briefe wird Lex Barker wieder lebendig.

Es gibt viele Menschen aus unserer Generation, die sich beim Erblicken eines Lex-Barker-Bildes oder alleine beim Hören seines Namens gerne an ihn und nostalgische Zeiten zurückerinnern. Das Werbefoto zur Arte-Dokumentation ist auch so ein cooles Foto… Mit was für einem Gefühl denkst Du als Macher an die Lex-Barker-Doku zurück?

Dieses Gefühl ist sicher Dankbarkeit, dass ich diese Lebensgeschichte für ein großes Publikum erzählen durfte. Denn Lex Barker hat es sicher verdient, aus der Nische der Bewunderung durch seine Fans heute einer breiteren Öffentlichkeit in Erinnerung gerufen zu werden.


Vielen Dank für das Gespräch.

Reiner Boller (2023)



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https://www.lex-barker.de

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Last updated:  09-23-2023