Lex Barker

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Interviews mit Weggefährten

Andrea King (1919-2003) — Freundeskreis in Hollywood

Andrea King

Andrea King

Ein Gespräch mit Andrea King, Jahrgang 1919 wie Lex Barker, ist der erste Interviewbeitrag im Jubiläumsjahr (100. Geburtstag Lex Barker). Die Schauspielerin zählte in den "goldenen Kinojahren" zum engsten Freundeskreis von Barker in Hollywood. Am heutigen 1. Februar hätte sie ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Jahrgang 1919, genauso wie Lex Barker, ist auch Andrea King. Geboren am 1. Februar als Georgette André Barry in Paris, kommt sie mit zwei Monaten mit ihrer US-amerikanischen Mutter in die Staaten. Mit 14 spielt sie in einer Schulaufführung Theater und hinterlässt einen so guten Eindruck, dass Theater-Produzent Lee Shubert auf sie aufmerksam wird. Über den New Yorker Broadway führt der Weg der jungen Schönheit nach Hollywood, wo sie von Warner Bros. unter Vertrag genommen wird. Unter dem Künstlernamen "Andrea King" macht die wandlungsfähige junge Frau erstaunlich schnell Karriere in vielen Filmen.

Andrea King in ihrer Garderobe

Die hauseigenen Fotografen von Warner Bros. zeichnen Andrea King 1945 als fotogenste Schauspielerin des Studios aus. In Vicki Baums HOTEL BERLIN (1945) spielt sie ihre erste Hauptrolle. Die Kritiker sehen sie in ihrer zwiespältigen Rolle der Lisa Dorn "tödlich, liebevoll und beachtlich". Für Andrea King ist es ihr Lieblingsfilm, der sie zu einer "Hauptdarstellerin" macht, mit einer Rolle, wie sie eigentlich für eine Bette Davis geschrieben wird. Einzig die Tatsache, dass sie aus Publicity-Gründen hinter ihrer blondhaarigen Kollegin Faye Emerson bei der Werbung zurückstehen muss, die während der Dreharbeiten den Sohn des US-Präsidenten heiratet, ist für Andrea King weniger erfreulich. Trotzdem avanciert sie recht bald zu einer glamourösen Hauptdarstellerin, oftmals in mysteriösen Rollen. Ihre bekanntesten Filme werden THE BEAST WITH FIVE FINGERS (Die Bestie mit den fünf Fingern), SHADOW OF A WOMAN (Der Schatten einer Frau, beide 1946) und RIDE THE PINK HORSE (1947, in Deutschland nicht gelaufen). In letzterem, einem Film Noir, gibt King die Femme fatale (zu Deutsch: "Verführerische Frau"). Sehr attraktiv und raffiniert versucht sie, Hauptdarsteller Robert Montgomery auf der Leinwand zu betören. Obwohl Andrea King bedauerlicherweise nie den ganz großen Durchbruch schafft, bleibt sie bis ins hohe Alter im Film- und Fernsehgeschäft aktiv.

Andrea King mit Ihrem Ehemann Nat Willis

In Hollywood zählen Andrea King und ihr Ehemann, Rechtsanwalt Nat Willis, Mitte der 1940er Jahre zum engsten Freundeskreis von Lex Barker und seiner Frau Constance. Lex und Andrea lieben es, Scharaden (pantomimische Darstellungen) zu spielen. Nat Willis vertritt Barker auch in privatrechtlichen Dingen, etwa im Scheidungsverfahren gegen Arlene Dahl oder auch als Trauzeuge bei der standesamtlichen Eheschließung mit Lana Turner.

Andrea King beim Dreh von "Hotel Berlin" mit Kurt Kreuger

Andrea King übernimmt 1947, zusammen mit dem deutschen Schauspieler Kurt Kreuger, die Patenschaft für Lex Barkers ersten Sohn Alexander Barker III, den alle nur "Zan" rufen werden. Kreuger erinnert sich später: "Lex und seine Frau haben mir das offeriert. Es gab eine Taufe. Andrea King und ich waren die Paten, wir waren beide dort. An den Ort kann ich mich nicht mehr erinnern. Das war in irgendeiner Kirche, wo genau weiß ich nicht. Lex war ja protestantisch und es gab keine katholische Taufe."

Anmerkung: Autor Paul Miles Schneider, ein guter Bekannter der Schauspielerin, hat die faszinierende Lebensgeschichte von Andrea King und ihrer Mutter Belle McKee mit der sehr interessanten Biografie "More Than Tongue Can Tell" festgehalten.

Das nachfolgende Interview wurde 1999 in Hollywood geführt.

Ms. King, welche Erinnerungen verbinden Sie mit Lex Barker?

Lex war einer meiner liebsten Freunde und auch einer der besten Freunde meines Mannes. Wir waren 10, 12 Jahre lang ständig zusammen... Erstmals bin ich Lex in New York begegnet, auf einer Party. Ich war damals ungefähr 16. Connie war auch da — es war vor ihrer Hochzeit. Unsere Mütter waren Freundinnen, und so habe ich Lex praktisch mein ganzes Leben lang gekannt.

Können Sie etwas von Ihrer gemeinsamen Zeit in Hollywood erzählen...

Wir waren Tennispartner. Das war sehr lustig, denn Connie, seine Frau, hat Tennis geliebt, und sie hatte die längsten Beine, die sich aber auf dem Tennisplatz einfach nicht besonders gut machen. Und Lex, der im Tennis ein absoluter Perfektionist war, sagte zu mir: "Oh Gott, Andrea, kannst du es nicht einrichten, dass wir zusammen spielen und ich Connies Gefühle nicht verletze?" Das haben wir dann getan. Mindestens dreimal pro Woche haben wir Doppel gespielt, mit all den jungen Männern — Gilbert Roland, Cornel Wilde — so vielen der jungen Schauspieler. Damals war Tennis der angesagte Sport in Hollywood — wie Motorräder und andere Sachen, die heutzutage nichts Besonderes mehr sind. Jedenfalls war Lex ein großartiger Sportler, und wir waren immer als Familie zusammen. Es war wirklich wie eine Familie — wir kamen alle aus New York und haben sehr zusammengehalten, in der "Familie", die jetzt in Kalifornien lebte, und wir haben uns ständig getroffen.

Weshalb kam es nie zu einem gemeinsamen Film mit Lex Barker?

Wir hatten immer gehofft, einmal zusammen drehen zu können, aber dann fiel das Studiosystem auseinander, und jeder ging seiner eigenen Wege. Wir haben uns allerdings häufig gegenseitig am Set besucht und gemeinsam in der Garderobe und in der Kantine gegessen. Auf dem Studiogelände von Warners gab es einen Tennisplatz, und wenn wir bei dem Film, den wir jeweils gerade drehten, einmal ein paar Stunden drehfrei hatten, haben wir zusammen Tennis gespielt.

Reiner Boller (1999)


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Stand:  21.01.2019